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"Das Bild, das sich von selbst malt"
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2006-01-01
Schweiz





"Das
Bild, das sich von selbst malt"


Interview
mit Erzsebet Issekutz, ELITE Magazin, Budapest


In der Mittelschule hat Jürg Davatz, als
Künstler genannt Da Vaz, im Zeichnen nur schlechte Noten bekommen. Er
schien nicht sehr begabt zu sein und von Talent war keine Spur. Er konnte
nicht einmal einen Tisch zeichnen, ja er war unfähig, ein Porträt zu malen.
Er hat keine Kunstakademie besucht. "Gott sei Dank"! "Dort
hätte ich eine Menge Wissen in mich hineingestopft, das ich nicht wollte,
hätte andere Künstler nachahmen müssen, hätte anderen über die Schulter
geschaut, und mein eigener Ausdruck wäre zum Teufel gegangen," sagt
der 50 jährige Künstler aus der Schweiz, der die letzten Prüfungen der
Matura nicht beendet hat; seine Freunde und seine Familie haben ihn vergeblich
darum gebeten.


Dieser plötzlichen Wendung in seinem Werdegang
sei der Wunsch vorausgegangen, etwas "ganz anderes" zu machen,
die Welt neu zu entdecken und auf Abenteuer zu gehen, meint Da Vaz 30
Jahre später verschmitzt lächelnd. So habe er zu malen und zu zeichnen
begonnen. Ohne Begabung, ohne Talent, aber mit einer sicheren Hand.


Die abstrakten Gemälde von Da Vaz sind einerseits
in schwarz-weisser Tusche gemalt, bei den anderen dominieren ganz die
Farben. Es sind monumentale Bilder. Sie führen den Betrachter in eine
nur von Linien begrenzte Welt, in schwungvolle und weiche oder unvermittelt
eckige, halbwegs kugelrunde Formen, in verschlaufte Räume - es sind Werke
mit komischen, sonderbaren Titeln. Einige dünken uns auf den ersten Blick
nicht gleich zugänglich. Man fühlt jedoch die riesengrosse Ausdruckskraft,
die von einem inhärenten Gegensatz zwischen der weissen Leinwand und der
schwarzen Tusche ausgeht. Die malerische Welt von Da Vaz und der Stil
seiner Gemälde sind sehr eigenwillig und eigenständig. Man kann sich leicht
in Einzelheiten der grossen Gebilde vertiefen und verlieren und dabei
erfahren wie aus gespannten Bogen und Farben Geschichten geboren werden.


"Als ich in den sechziger Jahren zu
zeichnen begann, war die abstrakte Malerei - und ist sie noch heute -
eine neue Ausdrucksmethode, d.h. kaum 50 Jahre alt, was in der Kunstgeschichte
nur einige Minuten bedeutet. Seit mehr als 10 000 Jahren bildet der Mensch
die Realität ab: Stiere, Menschen, Werkzeuge, Landschaften.


Ich hingegen habe eine Ausdrucksmethode gewählt,
die nicht auf der äusseren Realität aufgebaut ist. Zuerst fing ich an,
die Linien mit Wasserfarbe zu ziehen, dann mit Kugelschreiber und Tusche.
Ich bin ein abstrakter Maler, ich habe kein Modell, mein Ausgangspunkt
ist die leere Fläche. Daraus entwickle ich meine Bilderwelt. Damals habe
ich mir gesagt: du musst einige Jahre investieren in den Aufbau von Struktur
in deinen Bildern.


Wenn ich mich an die Arbeit mache, stelle
ich mir nichts vor, weder am Anfang noch während der Arbeit. Ich habe
keine fertigen Konzeptionen. Ich arbeite in alle Richtungen. So vieles
ist möglich. Ich drehe das weisse Papier oder die leere Leinwand wie der
Töpfer die Töpferscheibe. Der kreative Akt ist ein "Zwiegespräch"
zwischen der gezeichneten Linie, der noch zu zeichnenden (der Linie "in
progress") und dem weissen Papier. Wenn das Zwiegespräch endet, ist
das Bild fertig."


In Ungarn war Da Vaz zum ersten Mal mit seinem
Vater nach der Revolution im Jahre 1956. Sein Vater war Oberpfleger im
Krankenhaus in Basel und leitete in seiner Freizeit eine private Hilfsorganisation
zur Verteilung von Medikamenten, Decken und Kleidern an die notleidende
Bevölkerung. Zum zweiten Mal bereiste er das Land zehn Jahre später mit
seiner damaligen Freundin, seiner späteren Frau.


Längere und kürzere Reisen und Aufenthalte
führten ihn nach Schottland, Skandinavien, Griechenland, die GUS Staaten,
Japan, China, Vietnam, durch ganz Südostasien bis nach Indien und Nepal.
Anschliessend wohnte er mit seiner Familie 5 Jahre in den USA und bereiste
den Nordamerikanischen Kontinent. Seit 20 Jahren hat Da Vaz keine Ausstellungen
mehr gemacht. Seine Arbeit und seine Familie hatten Vorrang. Seine inzwischen
erwachsenen Kinder haben ihn jetzt dazu überredet, wieder an die Oeffentlichkeit
zu treten. Auf Einladung von Balint Szanto und mit Unterstützung von Ehrenkonsul
Miklós Hajnos ist er in Budapest im Roten Salon des Opernhauses wieder
an die Oeffentlichkeit zurückgekehrt. Die Holländische Königin Beatrix
zusammen mit dem Ungarischen Staatspräsidenten Arpad Göncz haben seine
Ausstellung im Opernhaus nicht nur als erste besucht, sondern die Königin
hat auch eines seiner Gemälde nach den Niederlanden mitgenommen.


Da Vaz hat seit einigen Monaten in der Stiftung
für Ungarische Kultur eine Werkstattwohnung. Er liebt Budapest und schätzt
sich glücklich, in dieser grossartigen Stadt arbeiten und ausstellen zu
können.






Budapest, im Oktober 1996



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